Das "Mandala" im Coaching

von Prof. Dr. Markus Jüster & Claus-Dieter Hildenbrand

 

Die Mandala-Symbole gehören zu den ältesten religiösen Symbolen der Menschheit und sind schon im Paläolithikum anzutreffen. Wir finden sie bei allen Völkern und Kulturen vor; sogar als Sandzeichnungen, wie bei den Pueblo-Indianern. Vielleicht die eindrucksvollsten und künstlerisch vollendetsten Mandalas besitzt allerdings der Osten, vor allem der tibetanische Buddhismus.
(Jolande Jacoby)

Zielsetzung

Mandala als Kreativ-Assessement

Wir sehen Coaching als Werkzeug der Performance-Entwicklung, als Instrument, um seine berufliche und persönliche Leistungsentwicklung voranzutreiben. Bei einem gelungenen Coaching geht es auch und gerade um eine progressive Eigenentwicklung, um die Ausprägung von Potenzialen, Förderung von Ressourcen, Weiterentwicklung der Motivation und um das Erkennen sowie Reflektieren eigener Ziele und beruflicher Vorstellungen. Zu Beginn eines Coachings steht dabei jeweils auch die Frage, welche Ziele angestrebt werden und wie vorhandene Potenziale weiterentwickelt werden können.
 
Der Markt ist inzwischen voll von Assessment-Tools, es existieren verschiedenste Analyseinstrumente, die darauf abzielen, eine Rückmeldung auf individuelle Stärken und Potenziale zu liefern. Sie zeigen, welches Wissen und Können vorhanden ist und sind so eine gute Ausgangsbasis für eine Personalentwicklung. Ist diese Information jedoch jeweils ausreichend für den Start eines Coaching-Prozesses?
 
Unserer Auffassung nach stellt Wissen und Können die eine Seite einer Medaille des Coaching-Prozesses dar, die andere Seite beinhaltet Wünsche, Ziele und Visionen. Wie aber lassen beide Seiten verbinden, wie lässt sich ein entwicklungsfokussierter Coaching-Prozess initiieren?
 
Die Psychologie von C.G. Jung beschäftigt sich mit dem Gedanken der progressiven Entwicklung des Ich´s in die Gestalt einer bewussten und ausdrucksfähigen Person. Eine Seite seiner Arbeit beschäftigte sich mit den Mandala-Symbolen. In verschiedenen Kulturen entdeckte er eine Ausdrucksform, bei der die Hauptfigur in der Mitte steht und zentrisch angeordnete Symbole, Kreise und Vierecke eine harmonische Darstellung, ein gleichgewichtiges Ganzes darstellen. Mandalas sind Darstellungen, die dazu dienten, in einem Selbstregulierungsprozess Chaos in Kosmos zu verwandeln, Ordnung in Vielfalt herzustellen. Hierbei ging es auch um die Lösung aus einer emotionalen und gedanklichen Verstrickung, um die Entwicklung von Visionen und Zielen.
 
Diese Gedanken der Er-Schaffung bzw. Lösung von Verstrickungen und Entwicklung von Visionen ist auch eine Aufgabe von Coaching. Hierbei stellte sich uns die Frage, ob und wie die Arbeit mit Mandalas in einen Coaching-Prozess integriert werden kann. Wir kamen zu dem Ergebnis, den Beginn eines Coachings zu wählen und statt standardisierten Assessmentverfahren - in Ergänzung eines Kontraktgespräches - das Mandala als Kreativ-Assessment anzubieten.
 

Kurzbeschreibung

Die Darstellung des Mandalas in einem Coaching-Prozess sollte zielbezogen und strukturiert gestaltet werden. Folgende Parameter stehen dabei im Vordergrund:

  • Selbstbeschreibung eigener Eigenschaften, beruflicher Stärken und Vorlieben
  • Die augenblickliche berufliche Situation, die Aufgaben und deren Gestaltung
  • Ziele und Visionen: Vorstellungen für die eigene berufliche Zukunft, deren Aufgabenstellungen und die eigenen Wünsche an zukünftige Aufgaben


Es entsteht so anhand einer Vorlage, z.B. auf einem Flip-Chart-Bogen, ein gutes Bild über die jeweilige berufliche Situation:

Die Gestaltung des Mandalas erfolgt in mehreren Schritten, es wird von innen nach außen mehrschichtig anhand von Leitfragen erarbeitet:

  1. In die Mitte kommt ein aktuelles Polaroid-Foto, welches klar ausdrückt: Ich stehe in der Mitte meiner (Arbeits-) Welt.
  2. Der Coachee beschreibt sich, was macht mich aus, was sind meine Stärken, aber auch Vorlieben. Was kann ich und was mag ich?
  3. Nun geht es an die Handlung. Wo setze ich meine Fähigkeiten um, was mache ich und was mache ich auch gerne. Hier ist es gerade auch die Performance, die zählt!
  4. Der Blick geht in die Zukunft. Welche Fähigkeiten bringe ich mit, was tue ich jetzt schon und welche Visionen lassen sich daraus entwickeln.


Ziel ist es, sich selbst im Zentrum der eigenen Lebenssituation zu entdecken und Zukünftiges aus der jetzigen Lebenssituation zu entwickeln. Ein mehrschrittiges Vorgehen - aus dem Zentrum nach außen - ist hilfreich, um nicht schon zu Beginn der Arbeit einen zu engen Zielfokus zu entwickeln und eigene Möglichkeiten und Entwicklungschancen zu unterschlagen.
Ziel der Arbeit ist ferner die kreative Produktion einer visuellen Darstellung. So können neben dem Text auch Bilder und Collagen gestaltet werden, können Pfeile und Zuordnungen die Zusammenhänge klären und Bilder und Metaphern Interpretationsspielräume aufzeigen.
 
Die Weiterarbeit des Mandala's erfolgt dann in zwei Schritten:

  1. Zum einen wird die innere Balance und Kongruenz des Bildes geklärt. Finde ich meine Stärken in meinen Aktivitäten wieder oder arbeite ich vielleicht an den "falschen" Aufgaben? Habe ich die Chance mich weiter zu entwickeln und bringen mich meine jetzigen Aktivitäten auf den Weg zu meinen Visionen?
  2. Zum anderen dient das Bild zur weiteren Bearbeitung eigener Ziele. Welche sind dies, was ist mir am wichtigsten und wie kann ich auf meine Ziele zugehen?


Hier haben wir einen Fahrplan entwickelt, der dann in einer weiteren Coaching-Sequenz angegangen werden kann: die Umsetzung des Coaching-Mandalas in eine Entwicklungsstrategie. Ein strukturierter (gedanklicher) Leitfaden hilft dann, um aus den z.T. vielfältigen Darstellungen klare Strategien zu entwickeln und in eine ganzheitliche Handlungsstrategie umzusetzen. Ein solcher Fahrplan lässt sich wie folgt darstellen:

Ergebnis

Ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung

Die Arbeit mit dem Coaching-Mandala bietet somit die Chance nicht nur die Stärken des Coachees abzubilden - und zu entwickeln, vielmehr können Neigungen, Wünsche und individuelle berufliche Ziele wie Lebensvorstellungen mit eingeflochten werden und somit eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung gestaltet werden.
Es entstehen oftmals auch stark emotional eingefärbte Darstellungen. Die stufenhafte Folge der Aufgabenstellungen führt auch zu überraschenden Ergebnissen, wobei die Darstellung der eigenen Wünsche und Ziele auch bislang Verborgenes an den Tag bringen kann. Dies kann auch zu einer sehr persönlichen Auseinandersetzung führen, die einer sicheren Begleitung bedarf.

Anwendungsbereich und Probleme

Wachstums- und Verändungsphasen

Ein klares und professionelles Vorgehen ist hier notwendig, um auch die Begrenztheit der eigenen Möglichkeiten thematisieren zu können und nicht "jeden Traum in den Himmel wachsen zu lassen". Die Arbeit mit Mandalas eignet sich besonders in Wachstums- und Veränderungsphasen. So setzen wir die Methode sowohl in Ausbildungssettings wie auch im Führungskräftecoaching ein. Für den Coachee kann die Darstellung auch eine wichtige Momentaufnahme seiner momentanen Situation sein, die er dann gerne als Dokument archiviert, um sich zukünftig aus einer anderen Sicht dem erstellten Mandala erneut zuwenden zu können.

Coaching-Ausbildung Christopher Rauen

Sie wollen Ihr Tool veröffentlichen?

Coaching-Tools.de wird monatlich von über 6.000 Personen besucht und bietet daher eine gute Möglichkeit, Ihr Tool bekannt zu machen. Neben dem Tool werden Sie natürlich als Autor erwähnt.

So können Sie Ihr Tool einreichen