Coaching-Tools in der Wirkfaktorenanalyse

Theresa Wechsler (Dipl.-Psych.) beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem wirksamen Einsatz von Coaching-Tools durch die Berücksichtigung der Ausprägung von Wirkfaktoren. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit analysierte sie 71 Coaching-Tools der Sammlungen „Coaching-Tools“ und „Coaching-Tools II“ hinsichtlich ihrer Wirkfaktorenausprägung und erarbeite Implikationen für einen wirkfaktorengeleiteten Einsatz. Ergebnisse dazu veröffentlichte sie u.a. in Rauen, Christopher (Hrsg.) (2013) "Coaching-Tools III".

Buchreihe "Coaching-Tools" von Christopher Rauen

"Coaching-Tool"-Bücher

Die Buchreihe "Coaching-Tools" ist mit drei Bänden im Fachverlag managerSeminare erschienen. Insgesamt über 150 ausgewählte Coaching-Methoden erfahrener Coaching-Experten werden beschrieben. Dadurch wird ein breites Spektrum an Profiwissen vorgestellt. Zur klaren Orientierung sind die Techniken den Phasen eines Coaching-Prozesses zugeordnet: Kontakt, Zielklärung, Analyse, Veränderung und Zielerreichung. Jeder Band enthält zudem eine Übersichtstabelle, in der die Tools nach Anlässen und Themen zugeordnet sind. Das erleichtert den schnellen und präzisen Zugriff auf das richtige Werkzeug.


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Wirksamer Einsatz von Coaching-Tools durch Berücksichtigung der Ausprägung von Wirkfaktoren

Was sind Wirkfaktoren?

Wirkfaktoren sind Merkmale, welche wirksame Coachings gemeinsam haben und auf die die Wirkungen eines Coachings zurückzuführen sind. Oder in anderen Worten: Wirkfaktoren, wie z.B. die Ressourcenaktivierung, sind Merkmale, die wirksame von weniger wirksamen Coachings unterscheiden. Deren Umsetzung in Coaching-Tools ist für Praktiker somit von besonderem Interesse.

Auf welche Wirkfaktoren sollte bei Auswahl und Einsatz von Coaching-Tools geachtet werden?

Um Coaching-Tools möglichst erfolgsversprechend einzusetzen, ist es sinnvoll, auf eine möglichst starke Ausprägung von Wirkfaktoren zu achten. Das „coachingtoolspezifische Wirkfaktorenmodell“ von Wechsler (2011) umfasst sechs speziell auf Coaching-Tools bezogene Wirkfaktoren, welche bei der Auswahl von Tools berücksichtigt werden sollten:

Das coachingtoolspezifische Wirkfaktorenmodell (Wechsler, 2011)

Ergebnisorientierte Selbstreflexion (ESR) Reflexionen zu Vorstellungen und Handlungen mit Bezügen zum realen und idealen Selbstkonzept sowie Ableitung von Folgerungen
Ergebnisorientierte Problemreflexion (EPR) Analysen und Reflexionen zu nicht selbstkonzeptbezogenen Problemen oder Situationen sowie Ableitung von Folgerungen
Zielklärung (ZK) Konkretisierung und genaue Beschreibung von Zielen oder Problemlösungen
Umsetzungsunterstützung (UU) Unterstützung der Umsetzung von Zielen durch übende Maßnahmen oder das Aufstellen von Plänen
Ressourcenaktivierung (RA) Identifizierung und genaue Beschreibung von Ressourcen sowie Überlegungen zu deren Nutzung zur Zielerreichung
Erlebnisaktivierung (EA) Erlebnismäßige Aktualisierung der im Coaching behandelten Themen/Probleme (nur begleitender zu anderen Wirkfaktoren!)

Die Wirkfaktoren des Modells sind aus dem Wirkfaktorenmodell von Greif (2008) als Ausgangsmodell abgeleitet und kombinieren Aspekte dieses Modells mit Aspekten des Wirkfaktorenmodells von Grawe (2005). Die Besonderheit des coachingtoolspezifischen Wirkfaktorenmodells besteht darin, dass es ausschließlich solche Wirkfaktoren enthält, die in Coaching-Tools mit deren Besonderheiten in Aufbau und Inhalt umgesetzt sein können.

Inwieweit sind die Wirkfaktoren in den Coaching-Tools der Sammlungen von C. Rauen umgesetzt? Und welche Coaching-Tools können hinsichtlich ihrer Wirkfaktorenausprägung für den Einsatz im Coaching besonders empfohlen werden?

Die folgende Tabelle zeigt die Wirkfaktorenprofile von 34 analysierten Coaching-Tools der Sammlung „Coaching-Tools“ (Rauen, 2008). Sie geben an, in welcher Ausprägung die sechs Wirkfaktoren im jeweiligen Coaching-Tool verwirklicht sind. Die Profile wurden von der Autorin im Rahmen eines inhaltsanalytischen Vorgehens erstellt. Dazu wurde die Ausprägung der Wirkfaktoren in jedem einzelnen Coaching-Tool mit Hilfe eines ausführlichen Bewertungsleitfadens auf einer dreistufigen Skala eingeschätzt.

Wirkfaktorenprofil der Tools aus der Sammlung "Coaching-Tools" von C. Rauen

ESR = Ergebnisorientierte Selbstreflexion // EPR = Ergebnisorientierte Problemreflexion // ZK = Zielklärung // UU = Umsetzungsunterstützung // RA = Ressourcenaktivierung // EA = Erlebnisaktivierung

1 = Wirkfaktor geringfügig oder gar nicht verwirklicht // 2 = Wirkfaktor verwirklicht // 3 = Wirkfaktor stark verwirklicht

Tabelle: Wirkfaktorenprofil der Tools aus der Sammlung "Coaching-Tools" von C. Rauen (2008)
Coaching-Tool der Sammlung "Coaching-Tools"
von C. Rauen (2008)
ESR EPR ZK UU RA EA
„Lösungsorientierte Kurzzeitberatung"
(Szabó, S. 41ff)
1 2 3 3 3 2
„Lebenswege"
(Hauser, S. 49ff)
2 1 1 1 1 1
„Zirkuläres Interview"
(Schäper, S. 90ff)
1 3 1 1 1 1
„Stabile Zonen"
(Königswieser, S. 95ff)
3 1 1 2 2 1
„Die fünf Säulen"
(Rauen, S. 99ff)
3 1 1 1 2 1
„Metaphorik"
(Minor, S. 103ff)
2 2 1 1 1 1
„Sinn stiftende Hintergrundbilder professioneller
Szenen" (Schmid, S. 108ff)
3 1 1 1 1 2
„Systemisches Mikro-Makro-Coaching"
(Horn, S. 113ff)
2 2 2 1 1 2
„Das Coaching-Mandala"
(Hildenbrand & Jüster, S. 117ff)
3 1 2 1 3 1
„Zielklärung als konstruktivistische Intervention"
(Lang, S. 121ff)
1 2 3 1 2 1
„Stimmigkeits-Check"
(Hübner, S. 128ff)
1 1 3 1 1 2
„Holistic-(Re)Balancing/Work-Life-Balance"
(Hildenbrand, S. 132ff.)
3 2 3 3 2 2
„Coaching-Kennzahlen: ,Balanced Coaching’"
(Alwart, S. 138ff)
1 1 3 2 1 1
„Coaching-Landkarten"
(Konas, S. 149ff)
3 2 2 1 1 2
„Lebensrad"
(Stöger, S. 153ff)
2 1 1 1 1 1
„Die PRO-aktive Rollenanalyse"
(Filbert, S. 156ff)
3 2 1 1 2 1
„Karrieremosaik – Orientierung auf dem Berufs-
und Karriereweg" (Hipp & Wengel, S. 167ff)
3 1 1 1 3 1
„Wertehierarchie"
(Middendorf, S. 173ff)
3 2 1 1 1 1
„Werte-Ziele-Zielgruppen-Analyse"
(Rückle & Mutafoff, S. 179ff)
3 2 3 1 2 1
„Das systemische Porträt"
(Königswieser, S. 188f)
2 1 1 1 1 1
„Visualisierung sozialer Systeme"
(König & Volmer, S. 190ff)
1 2 3 1 1 1
„Sozialstruktur"
(Geißler, S. 194ff)
3 2 1 1 1 1
„Imaginativer Rollentausch"
(Schreyögg, S. 205ff)
3 2 1 3 1 3
„Das Beziehungsbrett – Konflikte
aktiv in die Hand nehmen" (Rohm, S. 208ff)
1 3 3 1 1 1
„Auf mehreren Stühlen"
(Hansmann, S. 227ff)
2 3 1 1 2 3
„Gegenwind"
(Steinhübel, S. 232ff)
2 3 2 1 1 3
„Die Check-your-Mind-Methode®"
(Dehner, S. 236ff)
2 1 1 3 3 3
„Der Zirkuselefant"
(Fromm, S. 242ff)
2 1 1 1 1 1
„Hintergründe erkennen und ansprechen – zur Beziehungs-
gestaltung für Führungskräfte" (Leder, S. 247ff)
2 2 1 2 1 1
„Skaleboard®"
(Szabó, S. 264ff)
1 2 3 1 3 1
„Das persönliche Wertesystem als Bild"
(Glatz, S. 287ff)
3 2 1 1 1 1
„Selbststeuerung über Werte"
(Elverfeldt, S. 292ff)
3 1 2 1 1 1
„Postkarten-Check"
(Hauser, S. 332f)
1 1 1 1 1 1
„Gestaltung von Transfermeetings"
(Offermanns, S. 334ff)
1 1 1 2 1 1

Für die Tools des 2. Bandes der Tool-Sammlungen („Coaching-Tools II“, Rauen, 2009) wurden ebenfalls Wirkfaktorenprofile erstellt. Diese, sowie z.B. Empfehlungen über besonders wirkfaktorenstarke Coaching-Tools aus den Bänden 1 und 2 können der Diplomarbeit der Autorin entnommen werden.

Anmerkung zum Schluss

Schließlich sei angemerkt, dass die Umsetzung eines Wirkfaktors in der schriftlichen Beschreibung eines Coaching-Tools natürlich nicht der Umsetzung des Wirkfaktors in der realen Durchführung des Coaching-Tools entsprechen muss. Diese ist unter anderem abhängig von der Person des Coachs und dessen praktischer Durchführung der Coaching-Tool-Beschreibung. Die tatsächliche Wirksamkeit des betreffenden Coaching-Tools hängt außerdem auch von der Einhaltung verschiedener Rahmenbedingungen und Voraussetzungen eines sinnvollen Einsatzes von Coaching-Tools ab – wie z.B. der Passung des Tools zum Thema des Klienten oder aber der Ausprägung „nicht-coachingtoolspezifischer“ Wirkfaktoren wie zum Beispiel einer guten Coaching-Beziehung, welche deshalb nicht weniger relevant sind.

Diplomarbeit

„Wirkfaktoren in Coachingtools unter der Lupe – Entwicklung und Anwendung eines Bewertungssystems“

Die Diplomarbeit von Theresa Wechsler beinhaltet u.a.

  • Ausführliche Erläuterungen zu den sechs coachingtoolspezifischen Wirkfaktoren
  • Wirkfaktorenprofile von insgesamt 71 Coaching-Tools aus den „Coaching-Tools“ (Rauen, 2011) und „Coaching-Tools II“ (Rauen, 2009)
  • Empfehlung über Coaching-Tools mit einer starken Ausprägung der Wirkfaktoren ergebnisorientierte Selbstreflexion, ergebnisorientierte Problemreflexion, Zielklärung, Umsetzungsunterstützung, Ressourcenaktivierung sowie Erlebnisaktivierung
  • Hinweise zur wirkfaktorengeleiteten Auswahl von Coaching-Tools passend zum Klienten und zur Phase des Coaching-Prozesses
  • Theoretisch fundierte Hinweise für Praktiker über einen sinnvollen Einsatz von Coaching-Tools

Die Diplomarbeit ist verfügbar über den Diplomica-Verlag oder unter http://www.xinxii.com/wirkfaktoren-in-coachingtools-unter-der-lupe-p-335564.html.

Autorin

Theresa Wechsler

Dipl.-Psych., beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Analyse von Wirkfaktoren in Coaching Tools sowie Implikationen für einen wirksamen Einsatz. Theresa Wechsler ist Psychologische Psychotherapeutin (i.A.), freie Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum für Angewandte Personalpsychologie (KAP) der Universität Bamberg und bietet neben Trainings und Coachings auch Workshops für Coaches zum Thema „wirksamer Einsatz von Coaching-Tools“ an.

Literatur

Grawe, K. (2005). (Wie) kann Psychotherapie durch empirische Validierung wirksamer werden? Psychotherapeutenjournal (1), 4–11.
Greif, S. (2008). Coaching und ergebnisorientierte Selbstreflexion. Göttingen: Hogrefe.
Rauen, C. (Hg.) (2011). Coaching-Tools (7. Aufl.). Erfolgreiche Coaches präsentieren 60 Interventionstechniken aus ihrer Coaching-Praxis. Bonn: managerSeminare.
Rauen, C. (Hg.) (2009). Coaching-Tools II (2. Aufl.). Erfolgreiche Coaches präsentieren Interventionstechniken aus ihrer Coaching-Praxis. Bonn: managerSeminare.
Wechsler, T. (2012). Sind Coaching-Tools eine Hilfe zur Durchführung wirksamer Coachings? Coaching- Magazin 1/2012, 32-37.
Wechsler, T. (2011). Wirkfaktoren in Coachingtools unter der Lupe: Entwicklung und Anwendung eines Bewertungssystems. Hamburg: Diplomica Verlag.

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